Chronik

Ur- und Frühgeschichte

Rund um das Bodenseeufer gefundene Reste von Pfahlbausiedlungen lassen vermuten, dass die Insel Mainau bereits früh besiedelt war. Eine aus sechs Häusern bestehende Siedlung wurde am Südufer der Insel freigelegt und in die Jungsteinzeit datiert. Um 400 v.Chr. war die Insel vermutlich Teil des keltischen Siedlungsraumes. Entsprechende Siedlungsspuren wurden jedoch bisher nicht gefunden.

Ab 15 v.Chr. gehörte der Bodenseeraum zur römischen Provinz Rätien. Obwohl durch Überreste nicht belegt, wird vermutet, dass in diesem Zusammenhang die Mainau als Flottenstützpunkt benutzt wurde. Um das Jahr 400 endete die römische Herrschaft am Bodensee. Den Römern folgten die Alemannen. Im 5. und 6. Jahrhundert war die Insel Mainau alemannisches Herzogsgut, später Teil eines fränkischen, von Bodman aus verwalteten Königsgutes.

Im Jahr 724 gründete der Wanderbischof Pirmin auf der größten Insel im Bodensee, der Insel Reichenau, ein Benediktiner-Kloster, das sich in den darauffolgenden Jahrhunderten zu einem geistigen Zentrum des Abendlandes entwickelte. Schon bald nach der Gründung fielen dem Kloster Reichenau durch Schenkung weitere Siedlungen auf dem der Insel gegenüberliegenden Festland zu. Auch die Insel Mainau ging vermutlich noch im Jahr 724 auf diese Weise an das Kloster Reichenau. Als Verwalter ließen sich auf der Mainau Ministeriale nieder, die auf der Insel wohl auch eine erstmals 1272 erwähnte Burg errichteten. Bis heute nachweisbare Spuren im südlichen Bereich des Schlosses weisen auf eine ausgedehnte Befestigungsanlage hin. Ab dem 13. Jahrhundert verlor das Kloster Reichenau zunehmend an Bedeutung, was schließlich auch dazu führte, dass der Ministeriale Arnold von Langenstein die Mainau samt weiterer Ländereien auf dem Festland im Jahr 1271 dem Deutschen Orden schenkte. Im Gegenzug nahm der Orden zwei seiner Söhne auf.


Der Deutsche Orden auf der Mainau

Die Zeit des Deutschen Ordens ist ein bedeutender Meilenstein in der langen Geschichte der Insel Mainau. Eine Zeit, deren Spuren bis heute vor allem mit dem markanten barocken Gebäudekomplex von Schloss und Kirche deutlich sichtbar sind. Die Komture des zur Zeit der Kreuzzüge gegründeten geistlichen Ritterordens herrschten als Verwalter dieser Ordens-Niederlassung auf der Insel bis zum Jahr 1806, also über 500 Jahre. Nach der Schenkung ging die Mainau samt der dazugehörigen Ländereien auf dem Festland jedoch zunächst an die Niederlassung des Deutschen Ordens auf Schloss Sandegg bei Salenstein im benachbarten Schweizer Kanton Thurgau. 1272 wurde die Kommende Sandegg aufgelöst und auf die Mainau verlegt. Dort wurde die Burganlage ausgebaut, der Gütererwerb des Deutschen Ordens nach Norden ausgedehnt, so dass sich die Kommende Mainau schließlich zur wohlhabendsten Niederlassung der Ordensprovinz Elsass-Burgund entwickelte.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 48) übernahmen auch auf der Mainau für zwei Jahre die Schweden die Herrschaft. Galt die Insel zunächst noch als sicherer Zufluchtsort, gelang schwedischen Truppen 1647 doch noch die Übernahme. Erst in der Endphase des Krieges wurde die Mainau durch ein geschlossenes Schanzsystem befestigt, von dem heute nur noch wenige Reste erkennbar sind.

Nach dem Westfälischen Frieden 1649 zogen die Schweden ab, nicht ohne die Insel verwüstet und geplündert zu haben. Lediglich das sogenannte „Schwedenkreuz“ soll ihnen zu schwer gewesen sein, weshalb sie, wie die Legende sagt, die 1577 vermutlich in Konstanz in Bronze gegossene Kreuzigungsgruppe im seichten Wasser zwischen Insel und Festland liegen ließen. Später wurde sie dort aufgestellt und begrüßt heute als „Schwedenkreuz“ die Mainau-Besucher.

Nur langsam erholte sich die Ordens-Kommende Mainau von den Kriegsfolgen. Doch mag es als Aufbruch in eine neue Zeit gelten, dass der Provinzialobere der Ordensprovinz Elsass-Burgund die Genehmigung zum Bau eines neuen Gotteshauses auf der Insel erteilte. Den Auftrag erhielt Ordensbaumeister Johann Caspar Bagnato (1696-1757), der 1732 mit dem Bau der barocken Kirche begann. 1739 wurde die Schlosskirche der Gottesmutter Maria geweiht und noch im gleichen Jahr erhielt Bagnato auch den Auftrag zum Bau eines Schlosses auf der Insel. Die bisher als Sitz des Komturs genutzte Burg wurde für die Neubauten abgebrochen. Nach siebenjähriger Bauzeit war das Deutschordensschloss 1746 fertig gestellt. Die prächtigen Wappen an den Giebeln des Mitteltraktes erinnern noch heute an die Erbauer.

Im Zuge der Säkularisation wurde die Deutschordenskommende Mainau 1806 aufgelöst und mit allen Besitzungen Teil des neu gegründeten Großherzogtums Baden.


19. Jahrhundert

Mit dem Ende der Deutschordensritter auf der Mainau begann für die Insel eine fast 50 Jahre andauernde Periode der Unsicherheit und des Verfalls mit vielen Besitzwechseln. Der regierende Großherzog Karl Friedrich hatte in der Zeit der napoleonischen Kriege wenig Interesse an der kleinen Insel im Bodensee. Von 1811 bis 1818 folgte ihm sein Enkel Karl Ludwig Friedrich, der sich ebenso wenig für die Mainau begeistern konnte.

Sein Nachfolger Großherzog Ludwig von Baden verkaufte die Insel schließlich 1827 für 65.000 Gulden an den ungarischen Fürsten Nikolaus von Esterházy, der bereits erste exotische Gewächse, darunter ein heute noch vorhandenes Feigenspalier an der Schlossfassade, auf der Insel pflanzen ließ. Drei Jahre später vermachte Fürst Esterházy die Mainau an seinen außerehelichen Sohn Nikolaus, den der Großherzog zuvor zum Freiherrn von Mainau erhoben hatte. Ohne großes Engagement für die Insel gezeigt zu haben, verkaufte dieser die Mainau nach 9 Jahren an Gräfin Katharina von Langenstein,

womit die Insel nach über 500 Jahren wieder Eigentum der Familie von Langenstein wurde, die sie 1271 dem Deutschen Orden geschenkt hatte. Wiederum 9 Jahre später verkaufte Gräfin von Langenstein die Insel an ihre Tochter Louise, die den Schwedischen Grafen Douglas geheiratet hatte. Das Paar wollte die Insel schon bald wieder veräußern und fand schließlich 1853 in Großherzog Friedrich I. von Baden, Urgroßvater von Lennart Bernadotte, einen Käufer.

Der badische Großherzog gilt heute als Parkbegründer. Er richtete hier nicht nur seinen Sommersitz ein, sondern begann, auf der Insel Ordnung zu schaffen, sie neu zu gestalten und seltene exotische Bäume und Pflanzen anzusiedeln, die er von seinen Reisen mitbrachte. Wesentliche Bestandteile des Mainau-Parks wie Arboretum, Italienischer Rosengarten und Orangerie gehen auf diese Zeit zurück, ebenso wie die ersten Winter-Schutzhäuser für exotische Pflanzen sowie die erste eiserne Brücke als Verbindung zum Festland.


Zur Geschichte der Insel im 20. Jahrhundert

Nach dem Tod von Großherzog Friedrich I. im Jahr 1907 ging die Mainau an dessen Sohn, Großherzog Friedrich II. Er vermachte die Insel seiner Schwester Viktoria, Königin von Schweden, womit die Insel Mainau 1928 in das Eigentum des schwedischen Königshauses gelangte. Nach Königin Viktorias Tod fiel die Insel 1930 an deren Sohn Prinz Wilhelm von Schweden, der die Verwaltung dieses Erbes bereits 1932 seinem damals 23-jährigen Sohn Lennart übertrug. Noch im gleichen Jahr zog sich Lennart Bernadotte, nachdem er durch die Heirat mit der bürgerlichen Karin Nissvandt sämtliche Titel und Erbansprüche an das schwedische Königshaus verloren hatte, von Schweden auf die Mainau zurück und machte die Insel für sich und seine Familie zum neuen Wohnsitz. Lennart Bernadotte begann, das vernachlässigte Eiland nach und nach und mit großem Aufwand wieder in einen Park umzuwandeln, öffnete die Mainau auch bald schon für Besucher, für deren Bewirtung 1937 die Gaststätte „Schwedenschenke“ eröffnet wurde. In den Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg profitierte die Mainau nicht unwesentlich vom staatlich gelenkten Tourismus der „Kraft durch Freude“-Reisen, die tausende Besucher auf die Insel brachten.

Kriegs- und Nachkriegszeit

Noch vor Kriegsbeginn 1939 verließ Lennart Bernadotte die Insel. Die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verbrachte er mit seiner Familie in Schweden. Um Gebäude, Park, Gärten und auch die Besucher der Mainau kümmerte sich ein Verwalterehepaar, das Anlage und Betrieb solange betreuen konnte, bis der Verwalter 1942 doch zur Wehrmacht einberufen wurde. In dieser Situation kam Prinz Wilhelm von Schweden und seinem Sohn Lennart Bernadotte ein Anliegen der Organisation Todt nicht ungelegen. Die bautechnische Organisation des Rüstungsministeriums wollte die Mainau für die Dauer des Krieges pachten und dort ein Erholungsheim für Offiziere und Industrielle einrichten. Der Pachtvertrag kam zustande, ab Mitte 1943 wurde die Mainau von der Organisation Todt verwaltet. Das Erholungsheim sollte in Schloss und Torbogengebäude eingerichtet werden, für die Unterbringung des Personals wurden zusätzlich drei Holzbaracken errichtet. Auch eine Wasserleitung vom Konstanzer Ortsteil Egg zur Insel wurde verlegt. Es war also alles vorbereitet, doch ranghohe Mitarbeiter der Organisation Todt hatten keine Gelegenheit mehr, sich auf der Mainau zu erholen.

Stattdessen wurde die Insel kurz vor Kriegsende vom Auswärtigen Amt französischen Kollaborateuren zugewiesen, die sich um den Chef der rechtsradikalen „Partie Populaire Francais“ (PPF), Jacques Doriot, scharten. Die Gruppe plante von Süddeutschland aus das Zurückdrängen der Gaullisten und Kommunisten aus Frankreich, wozu Doriot Anfang 1945 auf der Insel Mainau ein Französisches Befreiungskomitee proklamierte. Diese deutsch-französische Kollaboration endete jedoch bereits im Februar 1945 mit dem Tod Doriots bei einem Tieffliegerangriff nahe Mengen. In der Folge verließen seine Anhänger fluchtartig die Mainau.

Mit dem 26. April 1945 begann für Konstanz und Umgebung eine neue Ära: Die Region wurde Teil der französischen Besatzungszone. Mitte Mai 1945 wurden die Inseln Mainau und Reichenau geräumt. Die Inseln wurden ausgewählt für die Unterbringung und Erholung von aus dem KZ Dachau befreiten französischen Häftlingen. Insgesamt wurden mehrere tausend Häftlinge an den Bodensee gebracht, davon die meisten auf die Reichenau. Auf der Mainau standen das Schloss und die von der Organisation Todt errichteten Baracken inzwischen leer. Sie dienten nun als Unterkunft vor allem für schwerkranke und besonders geschwächte ehemalige KZ-Häftlinge, die von französischen Ärzten sowie französischen und deutschen Krankenschwestern nach neuesten Gesichtspunkten behandelt, gepflegt und betreut wurden. Doch für 33 von ihnen kam jede Hilfe zu spät. Trotz guter Pflege starben sie während ihres Aufenthaltes auf der Mainau und wurden zunächst am Ostufer der Insel auf einem provisorischen Gräberfeld begraben. Lennart Bernadotte veranlasste nach seinem ersten Besuch der Insel nach Kriegsende, dass die Toten auf den Konstanzer Hauptfriedhof umgebettet wurden. Zwischen 1947 und 1949 wurden die sterblichen Überreste dann nach Frankreich überführt.

Bereits im September 1945 wurde das Lazarett auf der Mainau aufgelöst und die zu Kräften gekommenen ehemaligen KZ-Häftlinge nach Frankreich gebracht. Auch die französischen Besatzungstruppen verließen die Mainau schließlich wieder. Als Lennart Bernadotte im Januar 1946 zum ersten Mal wieder auf die Insel kam, fand er nach eigenen Angaben eine in Mitleidenschaft gezogene Anlage und ein weitgehend leergeräumtes Schloss vor. Um die Regulierung der Schäden und den Ersatz der fehlenden Einrichtungsgegenstände entstand eine längere Auseinandersetzung mit französischen Verwaltungsstellen. Die Aufbau- und Instandsetzungsarbeiten in Park und Gärten gestalteten sich schwierig, dennoch wurde die Mainau schon bald wieder für Besucher geöffnet.

Um nach den Zerstörungen des Krieges der Jugend ein „Fenster zur Welt“ zu öffnen, bot Lennart Bernadotte bereits 1946 im Rahmen des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) – heute Christlicher Verein Junger Menschen – unter schwedischer Leitung Begegnungen und Freizeiten für Jugendliche auf der Mainau an. Untergebracht wurden die Teilnehmer zunächst in den von der Organisation Todt erstellten Baracken, die 1951 abgerissen wurden. Die Versorgung in diesen schwierigen Nachkriegsjahren kam teilweise aus Schweden und der Schweiz. Ziel war es, kriegsgeschädigten Jugendlichen Erholung und internationale Begegnungen mit Jugendlichen anderer Nationen zu ermöglichen.

Aus dieser Einrichtung entwickelte sich das „Internationale Institut Schloss Mainau“, das 1949 unter der Trägerschaft des CVJM-Weltbundes in einem Flügel des Schlosses den Betrieb aufnahm und Lehrgänge, Seminare und Workshops zu Jugendfragen verschiedenster Richtung anbot. Bis zur Schließung des Instituts Ende 1968 hatten rund 20 000 Teilnehmer aus 40 Ländern die Veranstaltungen auf Schloss Mainau besucht.


Familie Bernadotte

Lennart Graf Bernadotte

Die Mainau war sein Lebenswerk, „Gärtnern um des Menschen willen“ sein Motto. Am 8. Mai 1909 wurde Lennart Graf Bernadotte als Prinz Gustaf Lennart Nikolaus Paul, Sohn von Prinz Wilhelm von Schweden und der russischen Großfürstin Maria Pawlowna in Stockholm geboren. 1932 übernahm der studierte Land- und Forstwirt die Verwaltung der Insel Mainau, die damals seinem Vater gehörte. Gemeinsam mit seiner Familie zog er sich an den Bodensee zurück, nachdem er durch die Heirat mit der Bürgerlichen Karin Nissvandt sämtliche Titel und Ansprüche als Mitglied des Königshauses verloren hatte. Erst 1951 verlieh eine entfernte Verwandte, Großherzogin Charlotte von Luxemburg, ihm und zwei seiner ebenfalls bürgerlich verheirateten Cousins den Titel „Graf af Wisborg“.

Während des Zweiten Weltkrieges hielt sich die Familie in Schweden auf, wo Lennart Bernadotte als Fotograf und Filmproduzent bekannt wurde. Er war Chefredakteur der Zeitschrift „Foto“ und gründete zusammen mit Partnern die Firma „Artfilm“, deren größter Erfolg der Dokumentarfilm über die Pazifik-Überquerung des norwegischen Naturforschers Thor Heyerdahl mit seinem Floß Kon-Tiki war. Der Dokumentarfilm wurde 1951 mit dem Oscar ausgezeichnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Lennart Bernadotte mit seiner Familie endgültig auf die Insel im Bodensee. Er öffnete Park und Gärten für die Öffentlichkeit und machte die Mainau zum wichtigsten Tourismus-Ziel am Bodensee mit jährlich rund 1,2 Millionen Besuchern. Schon früh engagierte sich der Mainau-Chef auch im Naturschutz. Er gründete den Deutschen Rat für Landespflege und war Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft. Die von ihm 1962 initiierte „Grüne Charta von der Mainau“ hat bis heute Gültigkeit. Zusammen mit den Lindauer Ärzten Gustav Parade und Franz Karl Hein initiierte er die Nobelpreisträgertagungen in Lindau und wurde sehr bald zum Spiritus rector der jährlichen Treffen. Als erster Präsident des Kuratoriums für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau gestaltete er die Entwicklung des Lindauer Dialogs ab 1951 von Beginn an.

Nach seinem Rückzug aus dem Unternehmen Mainau widmete sich Lennart Bernadotte verstärkt seinem Hobby, der Makrofotografie. Seine „Optischen Träume“ fanden bei zahlreichen Ausstellungen auf der ganzen Welt Anklang. Lennart Graf Bernadotte starb am 21. Dezember 2004 im Alter von 95 Jahren.

Sonja Gräfin Bernadotte

Zunächst Spielplatz, dann Ausbildung- und Arbeitsplatz, schließlich Lebensinhalt: Für die 1944 im heutigen Konstanzer Ortsteil Litzelstetten geborene Sonja Gräfin Bernadotte war die Mainau Heimat. Da die Eltern auf der Insel arbeiteten, wuchs sie mehr oder weniger dort auf. 1969 wurde sie Assistentin des Insel-Chefs, den sie 1972 heiratete. Zusammen mit Lennart Graf Bernadotte hat sie die Insel Mainau zu dem gemacht, was sie heute ist: größtes und bedeutendstes Tourismus-Unternehmen am Bodensee.

1981 übergab Lennart Bernadotte die Geschäftsführung der Mainau GmbH seiner Frau. 25 Jahre lang lenkte Sonja Bernadotte die Geschicke des Unternehmens, geleitet vor allem von ihrer Liebe zur Natur. Das Angebot wurde ständig weiter entwickelt, auch den wechselnden Bedürfnissen der Besucher angepasst. Doch auch über die Mainau hinaus übernahm Gräfin Bernadotte Aufgaben ihres Mannes. So war sie unter anderem Präsidentin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und Präsidentin des Kuratoriums für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau.

Mit 62 Jahren zog sie sich aus dem operativen Geschäft zurück und übergab die Geschäftsführung der Mainau GmbH an Bettina Gräfin Bernadotte, ältestes ihrer fünf Kinder. Nach kurzer Krankheit starb die frühere Mainau-Chefin im Oktober 2008 im Alter von 64 Jahren.

Bettina Gräfin Bernadotte

Bettina Gräfin Bernadotte ist das älteste der fünf Kinder von Sonja und Lennart Bernadotte. Heute lenkt sie als Geschäftsführerin der Mainau GmbH gemeinsam mit ihrem Bruder Björn die Geschicke des Tourismusunternehmens. 1974 geboren, studierte sie nach mehreren Sprachaufenthalten Tourismusbetriebswirtschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg. 2002 nahm die diplomierte Betriebswirtin ihre Tätigkeit im Unternehmen Mainau auf, sie arbeitete von 2002 bis 2006 als persönliche Assistentin ihrer Mutter. Seit Januar 2007 ist Bettina Bernadotte Geschäftsführerin. Sie ist außerdem Präsidentin des Kuratoriums für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau, Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft, Mitglied im Kuratorium des Kinderhilfswerks Plan International sowie Mitglied im Verwaltungsrat der Universität Hohenheim, Schirmherrin der EUROPA Miniköche und Geschäftsführerin der Minigärtner gGmbH.

Björn Graf Bernadotte

Der 1975 geborene älteste Sohn von Sonja und Lennart Bernadotte ist seit 2011 Geschäftsführer der Mainau GmbH. Zuvor absolvierte er neben einer kaufmännischen Ausbildung ein sozialpädagogisches Studium in Rorschach (Schweiz). Seine hierbei erworbenen Kenntnisse bringt er nicht nur in seine Arbeit als Geschäftsführer der Mainau GmbH ein. Er nutzt sie auch im Rahmen seines Engagements für die gemeinnützige Lennart-Bernadotte-Stiftung. Björn Graf Bernadotte lebt gemeinsam mit seiner Frau Sandra im Barockschloss der Blumeninsel Mainau.


Historische Bauten

Schlosskirche St. Marien

Erster Abschnitt der barocken Neubauanlage, die der Deutsche Orden auf dem Hochplateau der Insel errichtete, war die Schlosskirche St. Marien. Auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus aus dem 13. Jahrhundert entstand der Barockbau in den Jahren 1732-39 nach Plänen des Ordensbaumeisters Johann Caspar Bagnato. Er schuf einen vierachsigen Saalbau mit querschiffartigen Erweiterungen für die Emporen samt Verbindungsgang zum Schloss sowie einen rund abschließenden Chor. Mit der Innenausstattung hatte Bagnato bekannte Künstler beauftragt: Altäre, Kanzel und Büsten stammen von Joseph Anton Feuchtmeyer, dem in jener Zeit bedeutendsten Bildhauer in der Bodenseeregion. Die Stuckaturen schufen Francesco Pozzi und seine Söhne, Fresken, Decken- und Altargemälde sind das Werk von Franz Joseph Spiegler.

Schloss Mainau

Unmittelbar nach Fertigstellung der Kirche begann Bagnato mit dem Neubau des angrenzenden Schlosses, konzipiert als Residenz des Ordenskomturs und zwischen 1739 und 1746 anstelle der mittelalterlichen Burganlage errichtet. Das um einen Ehrenhof angelegte dreigeschossige Deutschordensschloss wendet sich mit seinen Flügeln der Insel zu, während die Hauptseite dem See zugewandt ist. Auffallend im Mittelrisalit des Hauptflügels ist das weithin sichtbare Wappen des Deutschen Ordens. Die Ausstattung im Innern ist eher zurückhaltend mit bescheidenen Treppenhäusern, ganz im Gegensatz zu anderen Barockschlössern am Bodensee.

Die Repräsentationsräume im Mitteltrakt weisen Stuckdecken der Pozzi-Werkstatt auf sowie Intarsien-Türen und Steckborner Kachelöfen. Zentrum ist der zweigeschossige ehemalige Audienzsaal, der „Weiße Saal“, der sein heutiges Aussehen 1875 erhielt.

Comturey-Turm

Der wohl älteste noch vorhandene „steinerne Zeuge“ der langen Inselgeschichte ist der heutige Comturey-Turm. Das massive Bauwerk war ursprünglich Teil der in der Zeit des Deutschen Ordens errichteten mittelalterlichen Festungsanlage. Es entstand vermutlich in der Zeit zwischen 1200 und 1240 als Wohnturm. Im Zusammenhang mit dem Bau des Barockschlosses im 18. Jahrhundert wurden die oberen Geschosse des Turms abgetragen und durch eine Terrasse ersetzt. Ein tief in den Fels getriebenes Kellergewölbe diente der Vorratshaltung und Kelterei.

Seit Frühling 2014 eröffnen sich dem Besucher neue Perspektiven auf den Comturey-Turm. Im Zuge der Neugestaltung des Hafenbereichs wurde der einstige Wehrturm in den Dachgarten des Restaurants Comturey integriert und bildet das Herzstück dieses Parkteils. Im Innern des Restaurants geben verglaste Lichthöfe den Blick auf die Fassade des Turms frei.

Schwedenturm

Ebenfalls Teil der spätmittelalterlichen Befestigungsanlage ist der Rebbergturm auf der Südwestseite der Insel, in Erinnerung an die Zeit der schwedischen Besetzung der Mainau „Schwedenturm“ genannt. Die Jahreszahl 1558 über der Eingangstür wie auch die Wappen des Deutschen Ordens deuten auf seine Entstehungszeit hin, erbaut ursprünglich vermutlich als Wachtturm Richtung Festland. Die heutige Form mit Helmdach und Holzverschalung stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Gärtnerturm

Sozusagen auf den Resten der mittelalterlichen Festungsanlage steht der Gärtnerturm am Rand des Schlossplatzes. In seiner Umgebung sind auch noch Mauerreste der Befestigung zu erkennen. Die massiven Untergeschosse des Turms sind noch Teil der ursprünglichen Bausubstanz, während der achteckige Aufbau und das Helmdach im 19. Jahrhundert entstanden.

Torhaus

Das Torbogengebäude markiert bis heute den Zugang zum Schlossbereich. Vermutlich befand sich an dieser Stelle im Mittelalter das Tor zur Burganlage, zumal hier auch der Burggraben verlief. Daraus entstand in der Zeit des Deutschen Ordens das barocke Torhaus, erbaut vermutlich von Franz Anton Bagnato, dem Sohn des großen Barockbaumeisters. Darauf jedenfalls deuten die Jahreszahl 1764 sowie das Wappen des Landkomturs hin. Der klassizistische Anbau stammt aus dem 19. Jahrhundert. Heute sind im Torbogengebäude Teile der Verwaltung der Mainau GmbH untergebracht.
 


Geschichte der Gartenanlage

Auf alten Plänen ist zu erkennen, dass die Insel Mainau schon früh auch gärtnerisch genutzt wurde. Spätestens zur Zeit des Deutschen Ordens wurden auf der Insel im Bereich der Schlossanlage Zier- und Nutzgärten angelegt, während der Uferbereich landwirtschaftlich genutzt wurde. Auch der älteste noch vorhandene Baumbestand, die Linden an der Ostseite der Insel, gehen auf diese Zeit zurück. Eine erste Gartenanlage entstand Anfang des 19. Jahrhunderts unter Fürst Esterhazy, der auf der Insel erste exotische Gehölze und seltene Pflanzen ansiedelte. Entscheidend für die weitere Entwicklung der Mainau als Blumen- und Pflanzenparadies war jedoch Großherzog Friedrich I. von Baden, der ab 1853 bis zu seinem Tod 1907 zusammen mit seinen Hofgärtnern ein Gesamtkonzept zur Erschließung der Insel mit Wegen, Alleen und Aussichtsplätzen entwickelte und nach und nach umsetzte. Er schuf damit die Grundlagen für die heutige Ausgestaltung der Mainau. Auch der Park im Insel-Inneren, das Arboretum mit dem inzwischen 100 bis 150 Jahre alten Baumbestand, entstand zur Zeit Friedrichs I., der zahlreiche exotische Gehölze von seinen Reisen mitbrachte. Auf die Zeit des Großherzogs geht auch der Italienische Rosengarten auf der Südseite des Schlosses zurück, er ließ hier 1860 einen Blumengarten in italienischem Stil anlegen.

Schon zur Zeit des Deutschen Ordens wurde auf der Mainau auch Wein angebaut, wenngleich der am Südwesthang der Insel beim sogenannten Schwedenturm angelegte Weinberg von Friedrich I. stammt. Damals wurden die Weinbergmauern errichtet, der Boden ausgetauscht und mit Rebsorten experimentiert. Auch heute noch gedeiht hier ein hervorragender Bodensee-Wein. Der Weinlehrpfad informiert über Geschichte und Entwicklung des Weinbaus am Bodensee und speziell auf der Mainau.

Nach dem Tod Friedrichs I. durfte auf Wunsch seiner Witwe an Park und Gärten nichts verändert werden. Lennart Bernadotte übernahm daher 1932 einen von einheimischer Vegetation überwucherten Park, in dem zunächst mehr gerodet als gepflanzt werden musste. Basierend auf den von Friedrich I. geschaffenen Grundlagen entwickelte Lennart Bernadotte nach und nach die heutige „Blumeninsel Mainau“, sein Lebenswerk.

Zunächst wurde das wertvolle Arboretum vom Wildwuchs befreit und es wurden Sichtachsen freigelegt – es war keine leichte Aufgabe zu entscheiden, welcher Baum zu fällen war, aber schließlich sollte man auf einer Insel doch auch immer wieder einen Blick auf das Wasser haben. Er fotografierte zunächst einen Ausschnitt des Parks, retuschierte dann zur besseren Beurteilung auf den Fotos Bäume weg und fällte erst dann. Somit wurden zunächst die Grundstrukturen des ursprünglichen Parks wiederhergestellt und dann mit der weiteren Gestaltung begonnen. Ab 1950 ging die Entwicklung zur Blumeninsel in großen Schritten voran. 1955 gab es bereits ein „richtiges“ Mainau-Blumenjahr mit Orchideenschau, Frühjahrswechselflor, Rhododendren, Rosen, Sommerwechselflor, Zitrus-Sammlung, Fuchsiensammlung und Dahlien. Nach und nach wurden auch die historischen Bauten mit Schloss und Schlosskirche innen und außen renoviert. 1968 wurde ein großes Palmenhaus als Ersatz für die bisherigen Winter-Schutz-Häuser errichtet. Nicht zuletzt musste die nötige Insel-Infrastruktur geschaffen werden: eine Bodenseewasser-Pumpanlage zum Bewässern der Parkanlagen, eine Kanalisation durch den Seeboden, Telefonleitungen und Straßen. Die Entwicklung des Parks und der touristischen Infrastruktur erfolgte nach Bedarf und Nachfrage. Es gab keinen Generalplan, was die Insel Mainau von vielen anderen Parks unterscheidet.

Heute ziehen Park und Gärten der Mainau jährlich zirka 1,2 Millionen Besucher an. 25 Hektar der insgesamt 45 Hektar großen Insel sind heute Schaufläche. Und der Park wird kontinuierlich weiterentwickelt. 2003 wurde die Insel Mainau als Gesamtensemble unter Denkmalschutz gestellt und ein Teil der Insel als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ in das Denkmalbuch eingetragen. Unter Schutzstufe mit höchster Bedeutung stehen Schloss, Schlosskirche, Hafenanlage, der Italienische Rosengarten, Teile des Arboretums sowie sämtliche historischen Befestigungsmauern. Orientiert am Denkmalschutz sowie zusätzlich an Schutzkategorien des Naturschutzes erfolgt die sensible Weiterentwicklung der Insel durch die Familie Bernadotte im Dialog mit den entsprechenden Fachbehörden.


Weiterführende Literatur

  • Blumeninsel Mainau GmbH: „Kreuz und Schwert“, Ausstellungskatalog 1991
  • Blumeninsel Mainau GmbH: „Lennart Bernadotte“, Ausstellungskatalog 1992
  • Burchardt, Lothar; Engelsing, Tobias; Klöckler, Jürgen: „Gutachten – Lennart Bernadotte (1909-2004) während der Zeit des Nationalsozialismus und in den unmittelbaren Nachkriegsjahren“. 2014; Download hier
  • Dées de Sterio, Alexander und Johanna: „Die Mainau – Chronik eines Paradieses“. Belser Verlag Stuttgart, 1977
  • Graf Bernadotte, Lennart: „Ein Mann Eine Insel Ein Lebenswerk“. Blumeninsel Mainau GmbH, 1992
  • Graf Bernadotte, Lennart: „...ein Leben für die Mainau“. Stadler Verlag, 1996
  • Graf Bernadotte, Lennart: „Gute Nacht kleiner Prinz“. Heyne Verlag München, 1987
  • John, Timo: „Eine Familie aus Schweden auf der Bodenseeinsel Mainau“. Kunstverlag Josef Fink, 2009
  • Burchardt, Lothar: „Stadtgeschichte Konstanz“, Band 4
  • Moser, Arnulf: „Die andere Mainau“, Universitätsverlag Konstanz, 1995
  • Orlik, Roger: »…Der König vom Bodensee«, Albstadt: SP Verlag 2002
  • Pfindel, Judith; Meier, Heinz-Dieter: „Die Pflanzenwelt der Mainau“. Hampp Verlag, 2005
  • Wendt, Gunna: „Die Bernadottes und die Romanoffs“. Huber Verlag Frauenfeld, 2009
  • Wendt, Gunna: „Gräfin Sonja Bernadotte“. Droste Verlag Düsseldorf, 2010

 

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